Ratgeber · Balkon, Loggia, Beschattung

Warum oben mehr Wind ankommt

In der vierten Etage weht es spürbar anders als im Garten. Eine Automatik nimmt einem die Entscheidung ab.

Der häufigste Schaden an einer Markise entsteht nicht durch Verschleiß, sondern durch eine Böe bei ausgefahrenem Tuch. In höheren Geschossen passiert das schneller, weil der Wind dort weniger gebremst wird.

Wie Wind mit der Höhe zunimmt

In Bodennähe bremsen Hecken, Zäune, Garagen und Nachbarhäuser die Strömung ab. Diese Reibung nimmt mit der Höhe ab, und entsprechend steigt die Geschwindigkeit, die oben ankommt.

Entscheidend ist dabei nicht die Geschwindigkeit selbst, sondern ihre Wirkung. Die Kraft wächst im Quadrat: Ein Drittel mehr Geschwindigkeit bedeutet bereits fast die doppelte Belastung.

Hinzu kommt die Umströmung des Gebäudes. An Ecken und an der Kante zum Dach hin bilden sich Wirbel, die örtlich deutlich höhere Spitzen erzeugen als die freie Anströmung davor. Eine Wohnung an der Gebäudeecke ist deshalb stärker betroffen als eine in der Mitte derselben Fassade, obwohl beide in derselben Etage liegen und der Unterschied von unten nicht erkennbar ist.

  • Weniger Reibung mit zunehmender Höhe
  • Kraft wächst im Quadrat
  • Wirbel an Ecken und Kanten
  • Eckwohnungen sind stärker betroffen

Was bei einer Böe passiert

Ein ausgefahrenes Tuch bildet eine große Fläche, die der Wind von unten erfasst. Er hebt sie an, und die gesamte Kraft geht in die Gelenkarme und von dort in die Befestigungspunkte.

Typische Schäden sind verbogene Arme, ausgerissene Nähte und gelöste Konsolen. Keiner davon kündigt sich an; die Anlage funktioniert bis zur Böe einwandfrei und ist danach beschädigt.

Deshalb nützt es wenig, die Anlage nach dem Wetterbericht zu bedienen. Die kritischen Böen treten oft am Rand eines Gewitters auf, innerhalb weniger Minuten und ohne vorherige Ankündigung.

Beschatteter Freisitz an einem Mehrfamilienhaus

Sensorarten im Vergleich

Der klassische Windwächter ist ein kleines Schalenrad am Ausfallprofil oder an der Wand. Er misst die Geschwindigkeit direkt und löst oberhalb eines eingestellten Werts das Einfahren aus.

Daneben gibt es Vibrationssensoren, die am Ausfallprofil sitzen und auf die Bewegung des Tuchs reagieren. Sie sind günstiger und kommen ohne eigene Stromversorgung aus, reagieren aber erst, wenn das Tuch bereits arbeitet.

Die dritte Möglichkeit ist eine Steuerung, die Wetterdaten für den Standort abruft. Sie sieht ein aufziehendes Gewitter früher, als jeder Sensor am Haus es messen kann, braucht dafür aber eine Netzwerkverbindung.

  • Schalenrad misst die Geschwindigkeit
  • Vibrationssensor reagiert auf Bewegung
  • Wetterdaten warnen vorausschauend
  • Kombination ist am sichersten

Einstellung, Nachlaufzeit

Der Auslösewert richtet sich nach der Widerstandsklasse der Anlage und wird bei der Inbetriebnahme eingestellt. Zu hoch gewählt schützt er nicht, zu niedrig fährt die Anlage ständig ein, und dann wird die Automatik abgeschaltet.

Wichtig ist die Nachlaufzeit. Nach dem Einfahren bleibt die Anlage eine Weile gesperrt, damit sie nicht zwischen zwei Böen wieder ausfährt. Üblich sind einige Minuten, bei stark böigem Wetter auch länger. Diese Zeit lässt sich an der Steuerung anpassen und sollte zur Lage passen.

Prüfen Sie die Funktion einmal im Jahr. Ein Schalenrad, das durch Spinnweben oder Schmutz blockiert, meldet keinen Wind mehr, und niemand merkt es, bis es zu spät ist.

Was ein Sensor nicht leistet

Eine Automatik ersetzt keine ausreichend bemessene Konstruktion. Sie schützt vor Überlastung im Betrieb, aber sie macht aus einer zu leichten Anlage keine wetterfeste.

Ebenso wenig hilft sie bei Stromausfall. Anlagen mit Motor stehen dann still, und ein Handantrieb als Rückfallebene ist deshalb bei exponierten Lagen sinnvoll.

Und schließlich schützt sie nicht gegen Regen, wenn das nicht ausdrücklich vorgesehen ist. Nasses Tuch, das eingefahren wird, bleibt feucht und sollte bei nächster Gelegenheit zum Trocknen wieder ausgefahren werden. Wer das über längere Zeit versäumt, bekommt Stockflecken, die sich nicht mehr vollständig entfernen lassen.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Balkon, Loggia, Beschattung.

Kurz zusammengefasst

Wie Wind mit der Höhe zunimmtIn Bodennähe bremsen Hecken, Zäune, Garagen und Nachbarhäuser die Strömung ab.
Was bei einer Böe passiertEin ausgefahrenes Tuch bildet eine große Fläche, die der Wind von unten erfasst.
Sensorarten im VergleichDer klassische Windwächter ist ein kleines Schalenrad am Ausfallprofil oder an der Wand.

Häufige Fragen

Ab welcher Etage ist ein Sensor sinnvoll?

Ab dem zweiten Obergeschoss empfehlen wir ihn, in freier Lage und an Gebäudeecken schon darunter.

Braucht der Sensor Strom?

Schalenradsensoren meist ja, Vibrationssensoren arbeiten in der Regel mit Batterie am Ausfallprofil.

Kann ich die Automatik abschalten?

Technisch ja, sinnvoll ist es nicht. Wer sie abschaltet, verliert genau den Schutz, für den sie eingebaut wurde.

Was tun bei Stromausfall?

Dann bleibt die Anlage stehen. Ein Handantrieb als Rückfallebene ist in exponierter Lage zu empfehlen.

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