Ratgeber · Statik, Schnee-, Windlast

Warum Wind mehr fordert als Schnee

Schnee drückt nach unten. Wind zieht nach oben, wechselt im Sekundentakt und ist damit der anspruchsvollere Fall.

Bei einer Überdachung denkt man zuerst an Schnee. In der Auslegung ist der Wind aber häufig der bestimmende Fall, besonders bei leichten Konstruktionen und bei freistehenden Flächen. Der Grund liegt in der Richtung, aus der er wirkt.

Druck und Sog

Trifft Wind auf eine geneigte Fläche, entsteht auf der angeströmten Seite Druck und auf der abgewandten Seite Unterdruck. Dieser Sog hebt die Fläche an, und er ist bei flachen Dächern oft größer als der Druck, der sie nach unten presst.

Das macht den Unterschied zum Schnee. Schnee verstärkt, was die Konstruktion ohnehin tut, nämlich nach unten drücken. Wind kehrt die Richtung um und zieht an denselben Punkten, die sonst Last abtragen. Befestigungen müssen deshalb in beide Richtungen wirken.

Hinzu kommt, dass Wind nicht gleichmäßig weht. Böen bauen sich in Sekunden auf und fallen ebenso schnell wieder ab. Diese wechselnde Beanspruchung ermüdet Verbindungen schneller als eine ruhende Last.

  • Druck auf der angeströmten Seite
  • Sog auf der abgewandten Seite
  • Befestigung muss abheben verhindern
  • Böen wirken als Wechsellast

Höhe und Umgebung

Mit der Höhe über dem Boden nimmt die Windgeschwindigkeit zu, und die Belastung wächst nicht linear, sondern im Quadrat. Eine Verdopplung der Geschwindigkeit bedeutet die vierfache Kraft.

Genauso wichtig ist die Umgebung. In einer geschlossenen Wohnbebauung bremsen Nachbarhäuser, Garagen und Bäume den Wind spürbar ab. Am Ortsrand, auf einer Anhöhe oder vor einer offenen Feldlage fehlt dieser Schutz vollständig.

Deshalb ist die Frage nach der Lage keine Höflichkeitsfloskel. Zwei identische Konstruktionen, die eine in einer Reihenhauszeile, die andere auf einem freien Grundstück am Hang, werden unterschiedlich ausgelegt.

Pergola-Markise mit geführtem Tuch im Rahmen

Die Ränder sind die Schwachstelle

Die größten Kräfte treten nicht in der Mitte einer Fläche auf, sondern an ihren Kanten und Ecken. Dort löst sich die Strömung ab und erzeugt Wirbel, die den Sog örtlich stark erhöhen.

Praktisch heißt das, dass die äußeren Befestigungspunkte enger gesetzt werden als die inneren und dass die Randprofile kräftiger ausfallen. Wer an dieser Stelle spart, bekommt genau dort Probleme, wo sie am teuersten sind.

Dasselbe gilt für Eindeckungen. Eine Platte, die in der Fläche sicher liegt, kann an der Ecke angehoben werden. Randklemmen und zusätzliche Halter sind deshalb kein Zubehör, sondern Teil der Konstruktion.

  • Eckbereiche mit erhöhtem Sog
  • Äußere Punkte enger setzen
  • Randprofile kräftiger ausführen
  • Eindeckung am Rand zusätzlich halten

Leichte Konstruktionen, bewegliche Teile

Je leichter eine Konstruktion ist, desto weniger Eigengewicht hält sie unten. Eine schwere Glasfläche wirkt dem Sog entgegen, ein leichtes Tuch nicht. Deshalb sind Markisen und Segel die windempfindlichsten Lösungen überhaupt.

Bei beweglichen Teilen kommt hinzu, dass sie flattern können. Ein frei ausgefahrenes Tuch bildet eine große Angriffsfläche und überträgt jede Böe als Ruck in die Gelenke. Geführte Systeme, bei denen das Tuch seitlich in Schienen läuft, sind dort deutlich im Vorteil.

Jede Markise hat eine Widerstandsklasse. Sie sagt, bis zu welcher Windstärke das Ausfahren zulässig ist. Oberhalb davon schützt kein Material, sondern nur das rechtzeitige Einfahren.

Was in der Auslegung steht

Im Angebot finden Sie die Windzone und, bei beweglichen Anlagen, die Widerstandsklasse. Beides gehört zur Konstruktion wie der Querschnitt der Profile und sollte nicht fehlen.

Bei freistehenden Lösungen kommt die Verankerung hinzu. Sie muss nicht nur die Last nach unten übertragen, sondern das Abheben verhindern. Punktfundamente werden deshalb nach der Zugkraft bemessen, nicht nach der Druckkraft.

Für den Betrieb heißt das vor allem eines: Eine Automatik, die bei Wind selbsttätig einfährt, ersetzt die Aufmerksamkeit, die niemand rund um die Uhr aufbringt. Sie kostet wenig und verhindert den häufigsten Schadensfall überhaupt.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Statik, Schnee-, Windlast.

Kurz zusammengefasst

Druck und SogTrifft Wind auf eine geneigte Fläche, entsteht auf der angeströmten Seite Druck und auf der abgewandten Seite Unterdruck.
Höhe und UmgebungMit der Höhe über dem Boden nimmt die Windgeschwindigkeit zu, und die Belastung wächst nicht linear, sondern im Quadrat.
Die Ränder sind die SchwachstelleDie größten Kräfte treten nicht in der Mitte einer Fläche auf, sondern an ihren Kanten und Ecken.

Häufige Fragen

Ist Wind wirklich kritischer als Schnee?

Bei leichten und freistehenden Konstruktionen meistens ja, weil der Sog nach oben zieht und die Befestigungen dafür ausgelegt sein müssen.

Was bedeutet die Widerstandsklasse?

Sie gibt an, bis zu welcher Windstärke eine bewegliche Anlage ausgefahren bleiben darf. Darüber muss sie eingefahren werden.

Hilft ein Windschutz an der Seite?

Gegen Zugluft ja. Für die Konstruktion vergrößert ein geschlossenes Seitenteil allerdings die Angriffsfläche und muss mitgerechnet werden.

Muss ich eine freistehende Lösung verankern?

Ja. Das Eigengewicht reicht nicht aus, um das Abheben zu verhindern. Die Fundamente werden auf Zug bemessen.

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