Ratgeber · Statik, Schnee-, Windlast
Woher die Zahl kommt, mit der gerechnet wird
Jede Überdachung wird für eine bestimmte Schneelast ausgelegt. Diese Zahl ist kein Erfahrungswert, sondern ergibt sich aus zwei Angaben zum Standort.
Wer ein Angebot für eine Überdachung liest, findet dort eine Angabe in Kilonewton pro Quadratmeter. Sie beschreibt, wie viel Schnee die Konstruktion aufnehmen kann. Woher dieser Wert stammt und warum er von Ort zu Ort unterschiedlich ausfällt, ist schnell erklärt.
Zone und Geländehöhe
Deutschland ist in Zonen eingeteilt, die beschreiben, wie viel Schnee dort statistisch zu erwarten ist. Diese Einteilung ist der erste Teil der Rechnung und liegt für jede Gemeinde fest.
Der zweite Teil ist die Höhe des Geländes über dem Meeresspiegel. Sie geht nicht linear ein, sondern überproportional: Je höher ein Ort liegt, desto stärker steigt der anzusetzende Wert innerhalb derselben Zone.
Aus beidem ergibt sich die charakteristische Last. Auf sie werden anschließend Beiwerte angewendet, die die Dachneigung und die Form berücksichtigen, und erst dann steht der Wert, mit dem das Tragwerk gerechnet wird.
- Zone aus der Lage der Gemeinde
- Geländehöhe über dem Meeresspiegel
- Beiwerte für Neigung und Form
- Ergebnis: Last je Quadratmeter
Warum Nachbarorte sich unterscheiden
Zwei Orte, die zwanzig Kilometer auseinanderliegen, können in unterschiedliche Zonen fallen. Das wirkt willkürlich, hat aber mit der Topografie zu tun: Eine Hanglage am Rand eines Mittelgebirges bekommt im Winter messbar mehr Schnee ab als die Ebene davor.
Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Höhe. Ein Ort auf dreihundert Metern und einer auf sechshundert Metern in derselben Zone liegen beim Rechenwert weit auseinander, oft um mehr als das Doppelte.
Für die Praxis heißt das: Ein Angebot, das für ein Haus in der Ebene passt, ist für ein Haus in Höhenlage möglicherweise unterdimensioniert. Deshalb fragen wir immer nach der genauen Adresse, nicht nur nach der Region.

Von der Last zur Konstruktion
Steht der Rechenwert fest, folgt daraus die Konstruktion. Drei Stellschrauben gibt es: der Querschnitt der Sparren, ihr Abstand zueinander und die Spannweite zwischen den Auflagern.
Am wirksamsten ist die Spannweite. Eine zusätzliche Stütze in der Mitte halbiert nicht nur die Durchbiegung, sie senkt die Beanspruchung deutlich stärker, als es ein größerer Querschnitt je könnte. Deshalb beginnt die Optimierung immer dort.
Die Eindeckung spielt ebenfalls mit. Glas ist schwerer als Polycarbonat und zählt als ständige Last mit, bevor überhaupt Schnee dazukommt. Bei hohen Rechenwerten kann das den Ausschlag für eine leichtere Eindeckung geben.
- Spannweite ist die stärkste Stellschraube
- Sparrenabstand verteilt die Last
- Querschnitt als letzte Reserve
- Eindeckung zählt als ständige Last
Schneesack, Verwehung, Dachform
Nicht überall liegt gleich viel Schnee. An eine Hauswand angebaute Flächen bekommen zusätzlich das ab, was vom Hausdach rutscht oder sich dort anhäuft. Dieser Bereich wird gesondert betrachtet und mit höheren Werten angesetzt.
Ähnliches gilt bei Verwehungen. Eine Stelle im Windschatten eines Giebels oder einer Garage sammelt Schnee, während die freie Fläche daneben abgeblasen wird. Die Konstruktion muss den ungünstigeren Fall abdecken.
Besonders kritisch ist eine flache Fläche direkt unter einem steilen Hausdach. Rutscht dort eine Schneeladung ab, wirkt sie als Stoß und nicht als ruhende Last. Ein Schneefanggitter oben löst das Problem an der Ursache.
Was Sie selbst tun können
Im Betrieb ist wenig nötig. Eine Überdachung, die für den Standort korrekt ausgelegt ist, trägt den Winter ohne Zutun. Räumen muss man sie nicht, und das Betreten der Fläche ist ohnehin keine gute Idee.
Sinnvoll ist dagegen ein Blick nach einem anhaltenden Schneefall, vor allem dort, wo das Hausdach darüber liegt. Türmt sich an der Wand ein deutlich höherer Streifen auf als auf der übrigen Fläche, lässt er sich vom Boden aus mit einem Abzieher vorsichtig verringern.
Bei einem Lamellendach gilt zusätzlich, dass die Lamellen im Winter geschlossen bleiben sollten. Geschlossen bilden sie eine durchgehende Fläche und tragen gemeinsam; einzeln stehend ist jede für sich belastet.
Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Statik, Schnee-, Windlast.
Kurz zusammengefasst
Häufige Fragen
Welche Zone gilt für mein Grundstück?
Das richtet sich nach der Gemeinde und der Geländehöhe. Wir ermitteln beides anhand der Adresse und nennen den Rechenwert im Angebot.
Kann eine Überdachung unter Schnee einstürzen?
Wenn sie korrekt ausgelegt ist, nicht. Probleme entstehen fast immer dort, wo nachträglich Flächen angebaut oder Stützen entfernt wurden.
Muss ich Schnee von der Fläche räumen?
Nein. Das Betreten ist gefährlich und meist unnötig. Nur auffällige Anhäufungen an der Hauswand sollten vom Boden aus verringert werden.
Ist Glas oder Polycarbonat besser bei viel Schnee?
Polycarbonat ist leichter und entlastet das Tragwerk. Glas ist schwerer, dafür formstabiler und kratzfester. Beides ist bei richtiger Auslegung möglich.
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