Ratgeber · Befestigung an der Fassade

Welcher Dübel in welchen Untergrund gehört

Die Last einer Überdachung geht über wenige Punkte in die Wand. Was dort hält, hängt weniger vom Befestigungsmittel ab als vom Material dahinter.

Ein Befestigungsmittel ist immer nur so gut wie der Untergrund, in dem es sitzt. Dieselbe Schraube trägt in Beton ein Vielfaches dessen, was sie in einem Hochlochziegel schafft. Deshalb beginnt jede Befestigung mit der Frage, was in der Wand steckt.

Was in der Wand steckt

Von außen sehen fast alle Wände gleich aus. Unter dem Putz kann aber Beton stecken, ein Vollziegel, ein Hochlochziegel, ein Kalksandstein, ein Porenbetonstein oder eine zweischalige Konstruktion mit Luftschicht. Jedes dieser Materialien verhält sich anders.

Entscheidend ist, wie viel Masse um das Bohrloch herum steht. Ein Vollstein umschließt den Anker rundum, ein Lochstein besteht zu einem erheblichen Teil aus Luft. Trifft der Bohrer dort eine Kammerwand, bricht sie, und der Anker hat nur noch einen Bruchteil seiner Tragfähigkeit.

Bei älteren Häusern kommt hinzu, dass mehrere Bauphasen aufeinandertreffen. Ein Anbau aus den Siebzigern hat oft einen anderen Wandaufbau als der Altbau daneben, und an der Nahtstelle liegt beides direkt nebeneinander.

  • Beton: höchste Tragfähigkeit, einfach zu berechnen
  • Vollstein: gute Werte, klare Verhältnisse
  • Lochstein: Kammern begrenzen die Last deutlich
  • Porenbeton: nur mit Spezialankern

Beton, Vollstein, Lochstein

In Beton sitzt praktisch jedes zugelassene Befestigungsmittel. Die Tragfähigkeit ist hoch und gut dokumentiert, deshalb sind Betonstürze und Ringanker die bevorzugten Punkte, wenn sie auf der richtigen Höhe liegen.

Im Vollstein, also etwa im Kalksandstein oder im Vollziegel, liegen die Werte darunter, bleiben aber berechenbar. Hier arbeitet man mit längeren Verankerungstiefen und größeren Abständen zwischen den Punkten, um dieselbe Last aufzunehmen.

Der Lochstein ist der Sonderfall. Spreizdübel funktionieren dort kaum, weil sie sich gegen eine dünne Kammerwand stemmen und diese aufsprengen. Stattdessen kommt ein Verbundsystem zum Einsatz, das die Kammern ausfüllt und die Last über eine größere Fläche verteilt.

Terrassenüberdachung mit Anschluss an die Hauswand

Durchmesser, Tiefe, Randabstand

Drei Zahlen entscheiden über die Tragfähigkeit eines Punktes. Der Durchmesser bestimmt die Fläche, über die Kraft übertragen wird. Die Verankerungstiefe legt fest, wie tief diese Fläche im Material liegt. Und der Randabstand sorgt dafür, dass genug Material um den Punkt herum steht.

Der Randabstand wird am häufigsten unterschätzt. Ein Punkt zu nah an einer Ecke, an einer Fensterlaibung oder an einer Fuge bricht seitlich aus, obwohl Durchmesser und Tiefe stimmen. Die Zulassungen nennen dafür Mindestwerte, die eingehalten werden müssen.

Gleiches gilt für den Achsabstand zwischen zwei Punkten. Liegen sie zu dicht beieinander, überlagern sich die Lastkegel im Material, und beide zusammen tragen weniger als zwei einzelne Punkte.

  • Durchmesser nach Zulassung, nicht nach Gefühl
  • Verankerungstiefe vollständig ausnutzen
  • Randabstand zu Ecken und Fugen einhalten
  • Achsabstand zwischen den Punkten beachten

Verbundanker statt Spreizdübel

Ein Verbundanker arbeitet nicht über Reibung, sondern über Klebung. In das gereinigte Bohrloch wird eine Mörtelmasse eingebracht, danach die Gewindestange eingedreht. Nach dem Aushärten sitzt die Stange formschlüssig im Material.

Der Vorteil liegt im Lochstein und in allem, was porös ist. Die Masse dringt in die Kammern ein, bildet dort Verzahnungen und überträgt die Last nicht mehr punktuell, sondern über die ganze Länge des Bohrlochs. Voraussetzung ist ein sauberes Loch, denn Bohrmehl verhindert die Haftung.

Verbundanker brauchen Aushärtezeit. Sie hängt von der Temperatur ab und kann im Winter mehrere Stunden betragen. Wird zu früh belastet, hält der Punkt dauerhaft weniger.

Prüfen statt annehmen

Welcher Wandaufbau vorliegt, lässt sich von außen nicht sicher sagen. Deshalb gehört eine Probebohrung zum Termin vor Ort. Das Bohrmehl zeigt schon an der Farbe, ob Beton, Ziegel oder Kalksandstein ansteht, und der Widerstand verrät, ob Kammern durchfahren werden.

Bei unklaren Fällen oder bei hohen Lasten wird zusätzlich ein Auszugsversuch gemacht. Ein Punkt wird gesetzt und mit einem Prüfgerät belastet, bis die geforderte Last erreicht ist. Das Ergebnis ist eine Zahl statt einer Vermutung.

Dieser Aufwand lohnt sich, weil der Austausch einer unzureichenden Befestigung später ungleich teurer ist. Ein nachträglich gesetzter Punkt verlangt meist das Abnehmen der Konstruktion und hinterlässt zusätzliche Löcher in der Fassade.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Befestigung an der Fassade.

Kurz zusammengefasst

Was in der Wand stecktVon außen sehen fast alle Wände gleich aus.
Beton, Vollstein, LochsteinIn Beton sitzt praktisch jedes zugelassene Befestigungsmittel.
Durchmesser, Tiefe, RandabstandDrei Zahlen entscheiden über die Tragfähigkeit eines Punktes.

Häufige Fragen

Kann ich den vorhandenen Dübel weiterverwenden?

Nein. Befestigungsmittel sind für eine einmalige Setzung ausgelegt. Ein gelöster Punkt wird neu gesetzt, in der Regel versetzt oder mit größerem Durchmesser.

Woran erkenne ich einen Lochstein?

Am Bohrfortschritt. Der Bohrer fällt beim Durchstoßen einer Kammerwand spürbar durch. Auch das Bohrmehl kommt dann nur stoßweise heraus.

Hält eine Befestigung in Porenbeton?

Mit Spezialankern ja, aber mit deutlich geringeren Lasten. Oft ist es sinnvoller, auf einen Ringanker oder einen Sturz auszuweichen.

Wer legt das Befestigungsmittel fest?

Der Hersteller der Konstruktion gibt die Lasten vor, der Untergrund bestimmt das Mittel. Beides wird vor der Fertigung abgeglichen.

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