Ratgeber · Befestigung, Fassadenanschluss

Wie die Last durch zwanzig Zentimeter Dämmung kommt

Eine Dämmplatte trägt nichts. Sie ist weich, und sie liegt genau dort, wo die Markise oder die Überdachung befestigt werden soll.

Bei einem gedämmten Haus sitzt zwischen der Anlage und dem tragenden Mauerwerk eine Schicht aus Styropor oder Mineralwolle. Sie ist zwischen zwölf und dreißig Zentimeter dick, und sie darf unter der Last weder zusammengedrückt noch durchfeuchtet werden. Beides lässt sich lösen, aber nicht mit einem längeren Dübel.

Warum der lange Dübel nicht genügt

Der naheliegende Gedanke ist, einfach eine längere Schraube zu nehmen, die durch die Dämmung hindurch ins Mauerwerk greift. Technisch hält das im ersten Moment. Das Problem entsteht an der Stelle, an der das Bauteil auf der weichen Dämmplatte aufliegt.

Sobald die Anlage belastet wird, drückt sie die Platte zusammen. Zwei bis drei Millimeter genügen, damit die Konstruktion kippt und die Schraube auf Biegung beansprucht wird, wofür sie nicht gemacht ist. Bei einer ausgefahrenen Markise im Wind wiederholt sich dieses Spiel bei jeder Böe.

Was ein Abstandshalter leistet

Die saubere Lösung ist ein druckfester Abstandshalter, oft auch Montagezylinder genannt. Er wird anstelle eines Stücks Dämmung in die Fassade gesetzt und reicht vom tragenden Mauerwerk bis zur Putzoberfläche. Die Last geht dann durch den Zylinder und nicht durch die Dämmplatte.

Diese Bauteile gibt es aus Hartschaum, aus Kunststoff und aus druckfester Mineralwolle. Welches Material passt, hängt an der Lastgröße und daran, wie stark die Wärmebrücke an dieser Stelle ausfallen darf. Für eine Terrassenüberdachung reichen in der Regel wenige Punkte je laufendem Meter.

Eingebaut wird der Abstandshalter aus der Fassade heraus: Die Dämmung wird an der Stelle ausgebohrt, der Zylinder eingeklebt, die Fuge geschlossen. Erst danach kommt die eigentliche Befestigung in das Mauerwerk dahinter.

Terrassenüberdachung über einer Gartenterrasse

Die Durchdringung dicht halten

Jede Befestigung durch eine Fassade ist auch ein Loch in der Wetterschale. Oberhalb des Anschlussprofils läuft Wasser daran entlang, und wo es eindringt, findet es in der Dämmebene keinen Weg nach draußen.

Deshalb wird die Durchdringung von außen abgedichtet und das Anschlussprofil mit Gefälle vom Gebäude weg montiert. Die obere Fuge bekommt eine dauerelastische Versiegelung, die Bewegung aufnimmt, ohne zu reißen.

Eine Abdichtung, die man im zweiten Jahr nicht mehr sieht, ist keine Abdichtung. Dauerelastische Fugen gehören bei der jährlichen Sichtkontrolle mit auf die Liste.

Was das für die Planung bedeutet

Praktisch heißt das: Die Befestigungspunkte müssen vor dem Verputzen feststehen, wenn die Fassade neu gedämmt wird. Abstandshalter lassen sich zwar nachträglich einbauen, aber dann muss der Putz geöffnet und anschließend angeglichen werden.

Bei einem Neubau lohnt es sich deshalb, die Überdachung früh anzusprechen, auch wenn sie erst zwei Jahre später kommt. Ein paar gesetzte Montagezylinder im Rohbau kosten fast nichts und ersparen später die Arbeit an der fertigen Fassade.

Wenn die Dämmung nicht durchdrungen werden soll

Manchmal ist die Fassade neu, die Garantie läuft, oder der Bauherr möchte die Dämmebene schlicht unberührt lassen. Dann steht die Anlage auf eigenen Pfosten vor dem Haus und berührt die Wand gar nicht oder nur mit einer schmalen Anschlussleiste, die kein Gewicht trägt.

Diese Variante braucht Fundamente und etwas mehr Platz auf der Terrasse. Dafür bleibt die Fassade geschlossen, und bei einem späteren Rückbau bleibt nichts zurück außer den Fundamentpunkten im Belag.

Was bei der Abnahme geprüft wird

Nach der Montage gehen wir den Anschluss gemeinsam ab. Geprüft wird, ob das Profil waagerecht sitzt, ob die Fuge oben durchgehend geschlossen ist und ob das Wasser sichtbar vom Gebäude weg abläuft. Dafür genügt ein Eimer Wasser über das Profil.

Außerdem notieren wir, welcher Dübeltyp in welcher Setztiefe verwendet wurde und wie viele Punkte gesetzt sind. Diese Angaben gehören zu den Unterlagen, die Sie bekommen. Wer in zehn Jahren eine zweite Anlage daneben plant, hat damit die halbe Vorarbeit schon erledigt.

Wie wir das in der Ausführung umsetzen, steht auf der Seite Befestigung, Fassadenanschluss.

Kurz zusammengefasst

Warum der lange Dübel nicht genügtDer naheliegende Gedanke ist, einfach eine längere Schraube zu nehmen, die durch die Dämmung hindurch ins Mauerwerk greift.
Was ein Abstandshalter leistetDie saubere Lösung ist ein druckfester Abstandshalter, oft auch Montagezylinder genannt.
Die Durchdringung dicht haltenJede Befestigung durch eine Fassade ist auch ein Loch in der Wetterschale.

Häufige Fragen

Hält eine Markise überhaupt an einem gedämmten Haus?

Ja. Die Last geht über druckfeste Abstandshalter am Dämmstoff vorbei ins Mauerwerk. Entscheidend ist, dass die Dämmplatte selbst nicht belastet wird.

Entsteht an der Befestigung eine Wärmebrücke?

Punktuell ja, in der Praxis ist sie klein. Abstandshalter aus Hartschaum oder druckfester Mineralwolle halten den Effekt gering.

Kann ich die Überdachung auch ohne Wandbefestigung aufstellen?

Ja, als freistehende Konstruktion auf eigenen Pfosten. Sie braucht Fundamente und etwas mehr Fläche, lässt die Fassade aber unberührt.

Wann müssen die Montagezylinder gesetzt werden?

Am besten vor dem Verputzen. Nachträglich geht es auch, dann muss der Putz an diesen Stellen geöffnet und wieder angeglichen werden.

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Wir sehen uns den Aufbau an und sagen Ihnen, ob Abstandshalter reichen oder eine freistehende Lösung sinnvoller ist.